Zielgruppen waren:
Politische Entscheidungsträger/innen, Bürgermeister/innen,
Amtsleiter/innen sowie pädagogische Fachkräfte aus Gemeinden,
Städten und Landkreisen.



Fachtag Jugendforen in
Baden-Württemberg


Veranstalter waren:
• Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg
• Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.
• Landeszentrale für politische Bildung
• Stadt Böblingen
• Stadtjugendring Böblingen e.V.

2 Mitglieder des Vereins für die Jugend Elzach e.V. waren zum Fachtag in Böblingen als "Young Professionals" eingeladen.

Von großem Interesse für die Teilnehmer war die Entwicklung der Jugendarbeit in Elzach
am 12. Juni 2002; 9.30 - 16.30 Uhr
CCB Kongresszentrum -Böblingen

[Flyer zeigen (*.pdf)]

Unten könnt Ihr nachlesen was die Zuhörer so über Elzach erfahren haben.

Elzach war dabei:

Diskussionsrunde

Podiumsdiskussion

Informationsecke

 

 

 
Die Entwicklung der Jugendpolitik der Stadt Elzach von 1996 bis heute
 

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Die Beteiligung der Jugend an der Auseinandersetzung über sie betreffende Themen wurde zum ersten mal 1996 im Stadtrat beantragt. Vor seiner Entscheidung wollte der Gemeinderat jedoch die Meinung der Elzacher Jugend kennen lernen, nämlich ob sie überhaupt eine Beteiligung wünschen und wenn ja, in welcher Form diese stattfinden und welche Inhalte sie haben soll. So kam es am 11. Juli 1996 zu einer Info-Veranstaltung im Elzacher Schwimmbad. So wurden alle 12 bis 20 - jährigen eingeladen und darüber diskutiert, wie sie sich an der Gemeindepolitik und an jugendrelevanten Themen beteiligen wollen und können. So fanden sich nicht nur die Gemeinderäte und zahlreiche Jugendliche, sondern auch Jugendgemeinderäte anderer Städte und Mitarbeiter der Jugendarbeit ein, die sich in kleine Gesprächsgruppen zusammentaten und eigentlich weniger über die Form der Beteiligung an der Gemeindepolitik diskutierten. Es war für Elzach das erste Mal, das eine solche Befragung stattfand, und so kamen sämtliche Sorgen/Anregungen/Wünsche der Jugendlichen auf den Tisch. Das eigentliche Thema der Veranstaltung war nur noch Nebensache. Fakt war, dass sich alle Jugendlichen einen zentralen Treffpunkt wünschten und dass die Vereine Jugendarbeit an sich alleine nicht mehr ausrichten könnten; über die Beteiligung an Politik hatten sich die wenigsten bisher konkrete Gedanken gemacht. Aber so ging es wohl auch den meisten Gemeinderäten der Stadt. Jedoch hat diese Veranstaltung eines geschafft; sie hat einen Draht zwischen Jugendlichen und Gemeinderäten gefunden.

So wurde in den Sommerferien die Meinung der Jugendlichen nochmals durch einen Fragebogen ermittelt und dessen Ergebnisse wurden beim 1. Jugendhearing am 22. November 1996 veröffentlicht. Wieder war die aktive Teilnahme der Jugend gefragt; der während der Infoveranstaltung gedrehte Videofilm sollte vorgestellt und die Umfrageergebnisse sollten diskutiert werden.

Von den rund 700 verschickten Fragebögen kamen 214 zurück. Mit einem Fragekomplex sollte herausgefunden werden, ob die Interessen der Jugendlichen. Vom Gemeinderat derzeit ausreichend berücksichtigt werden, ob Jugendliche bei Themen/Entscheidungen mitreden wollen und in welcher Form die Beteiligung zukünftig aussehen kann. So wünschten sich z. B. über 119 Jugendliche eine offenere Beteiligungsform; 97 eine Institutionelle, die sie in einem Vertreter oder durch einen Jugendgemeinderat sehen. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass sie gerne bei Themen wie Jugendpolitik oder über die Gestaltung baulicher Maßnahmen; Kulturprogramm,... mitreden wollen. Nur 12 der Befragten glaubten, dass der Gemeinderat auf die Interessen der Jugendlichen eingeht.


 
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Nach diesem Hearing war eines klar: Die Elzacher Jugend wünscht sich einen eigenen Raum. Einen kleinen Raum mit Billard, Kicker, Dart. Ein Treffpunkt, in dem sie unabhängig und frei sind von Bevormundung. Solche Pläne hatte es in Elzach schon vor 20 Jahren einmal gegeben; die Pläne hierfür scheiterten aber leider am Unmut der Politiker.
Ein anderes Ergebnis war, dass die Mehrheit der Besucher sich für eine offene Form der Beteiligung wünsche; also Jugendhearings, Jugendforen, Arbeitsgruppen zu bestimmten Themen,.. werden einem festen Jugendgemeinderat oder einem städtischen Jugendbeauftragten vorgezogen.
Das Jugendhearing war der Anfang und sollte die Kommunikation zwischen Jung und Alt verbessern. Zumindest beim größten Teil der Gemeinderäte; und doch waren noch einige folgender Meinung: "Die Jugendlichen haben alles, was sie brauchen" und "die wollen einen Raum, in dem sie machen können was sie wollen. Das gibt nur Ärger."

Ein paar Monate später, am 27. Februar 1997 lud die Stadt Elzach zu einer Sitzung im Rathaus ein, in dem folgende Fragen erörtert werden sollten:
1. Wie soll die Beteiligung der Jugendlichen im gemeindepolitischen Leben aussehen?
2. Worüber will die Jugend mitreden und mit entscheiden und
3. wie soll diese Beteiligung gesichert werden?
So sollte klar werden, dass beim Gemeinderat der Wille zur Beteiligung der Jugend vorhanden sei. Es ging an diesem Abend also darum eine Nahtstelle für ein Jugendbeteiligungsmodell zu finden. Die Entwicklung in der Meinungsbildung - so der Bürgermeister - begann mit dem Antrag der SPD-Fraktion zur Bildung eines Jugendgemeinderates; die CDU-Fraktion gab zu Beginn der Beratungen einer Beteiligung in Form eines "Jugendforums" den Vorzug. Nach dem sich der Gemeinderat mit den Anliegen der Jugendlichen beschäftigt und zu dem Thema die Arbeitsgruppe Jugendbeteiligung gegründet hatte, wurde der Wunsch geäußert, dass die Jugendlichen nun selbst in Arbeitsgruppen mitwirken sollten vor allem sollten sie sich Gedanken machen, wer der Träger der Jugendbeteiligung sein sollte. Jedoch tendierten hierum wieder einmal fast alle Anwesenden zur offenen Beteiligungsform, dass sich immer dann treffen solle, wenn es jugendpolitische Themen zu diskutieren gäbe. Jedoch wollten auch hier die Jugendlichen bald wieder wissen, was man tun müssen, damit der Wunsch nach einem Jugendtreff am schnellsten umgesetzt wird. Viele sahen in der Einrichtung des Jugendtreffs den Anfang der Jugendbeteiligung. Von nun an wurde in kleinen Arbeitsgruppen intensiv ein Konzept für die Verwirklichung der Ideen ausgearbeitet. z. B. wurde eine Satzung von einem anderen Jugendtreff überarbeitet, über die Bildung und Mithilfe eines Vorstandes diskutiert und in der Fun-Park Initiative fand man schließlich einen Träger für einen Verein, den man gründen musste, damit der Jugendtreff ein offener und kein städtischer wird. Ebenso bildete sich eine Gestaltungs- und Organisationsgruppe und eine Baugruppe. Und so kam es schließlich zur Bildung der Arbeitsgruppe "Aktion Jugendtreff". Von nun an waren wir aktiv beteiligt, mit Flugblättern wollten wir die Bevölkerung auf unsere Idee aufmerksam machen und suchten Räumlichkeiten. Und aus diesen Sitzungen und Gesprächsrunden heraus beschloss der Stadtrat, mindestens einmal im Jahr ein Jugendhearing zu veranstalten.


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Jedoch wies uns der Kreisjugendarbeiter immer wieder darauf hin, das wir uns darüber klar sein müssen, dass es sicher noch 6-9 Monate gehen könne, bis der Jugendtreff geschaffen ist. Doch man merkte schnell, dass hier das Interesse bei einigen dann doch nach lies und bei der Gründung des VfJ war dann wirklich nur noch "der harte Kern" anwesend. Aber das entmutigte uns nicht. Knapp eineinhalb Jahre später eröffneten wir dann das Jugendhaus.
So hat sich aus der Idee heraus, die Jugendlichen mehr am politischen Leben von Elzach zu beteiligen und zu integrieren, dieser Jugendtreff gebildet. Nach aktiver Vorarbeit, vielen Diskussionen und viel Vorbereitung, hat die Jugend sich doch - wenn auch in dieser Weise und vielleicht auch ganz anders als von viele eigentlich vorgesehen - an jugendspezifischen Themen der Stadt Elzach beteiligt.
Das zweite dieser Art fand dann am 7. Mai 1998 in Prechtal statt. Der Veranstaltung vorausgegangen war eine mit Flugblättern erfolgte Einladung der Jugendlichen in den oberen Klassen der Schulen Elzach. Dabei hatten Mitglieder des Gemeinderates persönlich für die Beteiligung an der Veranstaltung in den Schulen geworben. Auf den Einladungs-Flyers waren vorschlagsweise Themen aufgeführt, wobei die Jugendlichen gebeten wurden, den sie besonders interessierenden Themenbereich anzukreuzen und den Bogen zu Beginn des Hearings abzugeben. So wurde über die Zukunft des Schwimmbades, die Schulhofgestaltung in Prechtal, mögliche Discos/Konzerte und das neue Jugendhaus diskutiert. Die Beteiligung und das Interesse waren jedoch nur dürftig.

Das dritte Jugendhearing der Stadt fand dann schließlich im Elzacher Jugendhaus im Juli 2000 statt. Bei diesem Hearing drängte sich der Eindruck auf, das Elzachs Jugendliche offensichtlich keine Probleme haben. So fanden sich hier gerade mal 10 Stadträte, der Bürgermeister, 2 Vertreter des Kreisjugendamtes und 10 Jugendliche ein.
Nun stellte sich für einige die Frage, ob die Beteiligung der Jugendlichen durch Jugendhearings als direkte Gesprächsmöglichkeit wirklich das richtige sei. Denn eigentlich sollten die Jugendlichen ja die Gelegenheit haben, mit Gemeinderäten und Verwaltung direkt ins Gespräch zu kommen bei solchen Hearings, welche die Stadt als offizielles Organ der Jugendarbeit mindestens einmal jährlich veranstalten wollte.

 

 

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Festgelegt wurde auch, dass Vorschläge dieser Runde zwingend im Gemeinderat behandelt werden müssen. Bürgermeister Heitz vermutete, "dass die wesentlichen Bedürfnisse aus der Umfrage 1997 abgearbeitet sind". Vielleicht. Eigentlich war das JUHA doch genau das, was sich alle wünschten: ein offener Jugendtreff; in dem sich alle Altersgruppen treffen können und anfangs wollten sich auch noch sehr viele dafür einsetzten.

In der Bauphase sah das dann schon etwas anders aus. Viele hatten zwar den Wunsch nach einem Treffpunkt, aber etwas persönlich dafür zu unternehmen und aktiv mitzuhelfen war dann schon ein ganz anderes Thema. Vielleicht liegt das geringe Interesse auch an den wandelnden Bedürfnissen Jugendlicher. Zudem herrscht ein generelles Desinteresse an Politik und an allem, was damit zusammenhängt, was zu dieser Zeit auch beim Betrieb des JUHA festzustellen war; die Arbeit blieb an wenigen hängen. Aktiv Mitmachen war irgendwie nicht mehr angesagt. Vier Jahre zuvor herrschte noch eine große Aufbruchstimmung und die Beteiligung der Jugend an der Kommunalpolitik war das große Thema. So stellte Heitz abschließend zu dieser Veranstaltung fest: "der Gedanke des Jugendhearings wird nicht mehr verstanden", daher müsse man sich neue Formen überlegen, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Seither hat kein Jugendhearing mehr stattgefunden. Auch ist es nicht noch einmal zu einer Fragebogenaktion oder von sonstigen Aktionen dieser Art der Arbeitsgruppe Jugendbeteiligung gekommen. Schade, war doch offiziell einmal der Gedanke da, dies mindestens einmal jährlich zu tun. So kann ich nur an die Gemeinderäte appellieren, wieder oder besser gesagt, immer wieder den Dialog mit der Jugend zu suchen! Auch wenn die Bedürfnisse befriedigt scheinen, gibt es doch immer Themen und Vorschläge, die man einmal öffentlich ausdiskutieren möchte, Fragen die beantwortet werden wollen,....Manchmal wäre es auch einfach nur wichtig ein Feedback zu bekommen.
Wichtig ist es hierbei auch zu erkennen, dass immer neue Generationen mit neuen Ideen, Wünschen, Vorschlägen,...kommen. Als bestes Beispiel hierfür kann ich unser Jugendhaus nennen. Vor fünf Jahren wurde eine Gruppe nach ihren Bedürfnissen befragt, welche heute erwachsen ist und eigene Wege geht. Doch was ist mit der Generation nach uns; nach mir? Vielleicht wäre es wichtig und notwendig, sich nun mit den Bedürfnissen derjenigen auseinander zu setzen, die jetzt die Altersgruppe zwischen 12- und 20 Jahren einnehmen.


Quellen: Elztäler Wochenbericht
Badische Zeitung
Mitteilungsblatt
Ergebnis der Jugendbefragung in Elzach

by [Stefanie]